Was ist buddistische Achtsamkeit?

Das Wort Achtsamkeit ist eine Übersetzung des Pali Begriffs (eine alte indische Sprache) satiSati wurde mit einem Kunstwort ins Englische übersetzt: Mindfulness, also die vollkommene Präsenz des Geistes. Das Wort Mindfulness gibt sehr gut wieder, wovon die Rede ist. Das Wort Achtsamkeit kann eher zu Mißverständnissen führen, da es dem Wort Aufmerksamkeit ähnelt.

Achtsamkeit ist allerdings nicht als eine Instanz der intellektuellen oder moralischen Kontrolle zu verstehen, die uns ermahnt, wenn wir etwas falsch machen oder eine Tasse Tee auf dem Tisch verschütten. Das Wort sati ist ein bedeutungsreiches Wort, das die Verwendung mehrerer Wörter erfordert, um seinen Umfang auszuschöpfen, wie z.B. Präsenz, Geistesgegenwart, Bewusstsein, Erinnerung, Erkennen, Vergegenwärtigung, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Auf jeden Fall hat sich das Wort Achtsamkeit in der deutschen Sprache etabliert.

Die Praxis der Entfaltung der Achtsamkeit wurde als eine Lösung für die Unzulänglichkeit des Seins konzipiert. Falls du dich gerade fragst, wovon die Rede ist: Hast du im Leben schon Erfahrungen mit Sorgen, Frustration, Schmerz, Täuschung, Verzweiflung, Ungewißheit, Angst, Enttäuschung oder einfach dem, was man Streß nennt, gemacht?

Konntest Du den Zusammenhang zwischen deiner Geisteshaltung und dem Ausmaß der erfahrenen Unzulänglichkeit verstehen?

Die Unkenntnis dieser Beziehung macht uns taub, blind und stumpf für die Dynamik unserer Wünsche, einschließlich derer, die fehlgeleitet und verwirrt sind, und macht uns unwissentlich zu Komplizen unserer existentiellen Schwierigkeiten.

Die Schule der Achtsamkeitsentwicklung erkennt und isoliert unheilsame Einstellungen und Tendenzen des Geistes und stellt die entsprechenden Werkzeuge zu ihrer Verminderung oder ihrem Verschwinden bereit.

Einige weitverbreitete unheilsame Tendenzen sind:

  1. Das Bewusstsein des Körpers (Körperhaltung, Atmung, Bewegung, Präsenz)
  2. Das Bewusstsein der geistigen Bewertung (Wollen, Ablehnen, Indifferenz)
  3. Das Bewusstsein mentaler Zustände (Emotionen, Wünsche, emotionale Empfindung)
  4. Das Bewusstsein für Gedanken (die diskursiven Prozesse des Geistes, mit denen wir die Realität und die Ereignisse kommentieren)

Diese vier Grundlagen sind als vier gleichzeitige Blickpunkte zu betrachten, vier verschiedene Perspektiven, die sich gleichzeitig als Reaktion auf ein inneres oder äußeres Ereignis entwickeln. Es ist wichtig zu beachten, dass alle Grundlagen, nicht nur das Körperbewusstsein, eine körperliche Komponente haben und daß ihre Wahrnehmung allein von unserer Achtsamkeitsökonomie abhängt. Die vier Perspektiven zeichnen sich durch starke Interaktionen und Abhängigkeiten aus. Aus täglicher Erfahrung wissen wir zum Beispiel, dass, wenn wir von großen Emotionen oder Wünschen ergriffen sind, dies den Geist erregt, der daraufhin eine große Fülle an Gedanken hervorbringt, die zu Euphorie und Aufregung oder Traurigkeit und Sorgen führen können.

Obwohl die Praxis die Achtsamkeit das Gewahrwerden der Gedanken einschließt, ist dies schwierig, besonders wenn wir uns in einer vorübergehenden oder länger andauernen biographischen schwierigen Situation befinden. Aufgrund der Geschwindigkeit, mit der hier die Prozesse ablaufen, und unserer allgemein starken emotionalen Beteiligung ist es sehr schwierig, achtsam zu bleiben, Kausalitäten zu erkennen und zu versuchen, ihre Intensität zu verringern.

Assoziationen und Verallgemeinerungen regen außerdem das Denken an, das unter den vier Grundlagen diejenige ist, die sich am ehesten verselbstständigt. Dies ist einer der Gründe, warum die Entwicklung des Körperachtsamkeit von besonderer Bedeutung ist. Die Fähigkeit des Körpers zur Verselbständigung ist weitaus geringer als die der Emotionen und Gedanken und er kann daher als Vehikel zwischen den drei Grundlagen genutzt werden.

In der Praxis der Achtsamkeit ist es daher wichtig zu erlernen, dass diese vier Grundlagen der Achtsamkeit existieren, sie zu erkennen und die Fähigkeit zu entwickeln sie gegebenenfalls miteinander zu ersetzen, indem man lernt, die Aufmerksamkeit auf den Körper und den Atem zu richten.

Die Unwissenheit macht uns taub, blind und stumpf für die Dynamik unserer Wünsche, einschließlich derer, die fehlgeleitet und verwirrt sind, und macht uns unwissentlich zu Komplizen unserer existentiellen Schwierigkeiten.

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